Die Behandlung von Kinderwunsch bei Frauen mit chinesischer Kräutermedizin

 

Die ungewollte Kinderlosigkeit bei Frauen wird in der medizinischen Fachsprache Sterilität oder Infertilität, auf Deutsch also Unfruchtbarkeit genannt. Ihr können entweder organische Erkrankungen zugrunde liegen, wie z.B. ein polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS), Endometriose oder Adenomyose. In diesen Fällen muss man selbstverständlich die Grunderkrankung behandeln. Auch bei diesen organisch bedingten Arten der Unfruchtbarkeit kann man die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) oft sehr gewinnbringend anwenden, insbesondere haben wir in unserer Praxis sehr gute Erfahrungen gemacht, was die Behandlung der Unfruchtbarkeit beim polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) angeht. Auch bei leichten Formen der Endometriose oder Adenomyose ist der Einsatz der TCM oft Erfolg versprechend. In schweren Fällen von Endometriose allerdings ist oft eine chirurgische Behandlung sinnvoll, bevor man mit chinesischen Kräutern weiter behandelt. Bei bestimmten Formen der Adenomyose wird die Frau sehr wahrscheinlich nicht natürlich schwanger werden können, so dass man hier eine künstlicher Befruchtung, wie z.B. IVF oder ICSI, durchführen muss, die von einer TCM-Behandlung begleitet werden sollte, um die Erfolgschancen zu erhöhen.

 

Bei einem großen Teil der betroffenen Frauen finden sich allerdings keine Grunderkrankungen, die für die Kinderlosigkeit verantwortlich gemacht werden könnten. Die Labor- und Untersuchungsbefunde sind bei diesen Frauen weitgehend in Ordnung – und doch klappt es nicht mit der natürlichen Empfängnis. Diese Form der Unfruchtbarkeit bezeichnet man als idiopathische Infertilität. Das Wort „idiopathisch“ bedeutet, unabhängig von Krankheiten, grundlos, einfach so. Man findet hier also keine organische Ursache der Kinderlosigkeit. In diesen Fällen bietet die Schulmedizin im Allgemeinen eine künstliche Befruchtung an, die allerdings auch nicht immer gelingt. In diesem Bereich liegt die Stärke der Chinesischen Medizin. Erkrankungen, die mittels der modernen Diagnostik nicht nachweisbar sind, befinden sich also noch nicht auf der organischen, sondern auf der funktionellen Ebene. Und funktionelle Erkrankungen sind die Domäne der Chinesischen Medizin. Als die Traditionelle Chinesische Medizin vor über 2000 Jahren begründet wurde, waren anatomische Studien nicht üblich. Es war den alten Chinesen weniger wichtig zu wissen, wie die inneren Organe aufgebaut sind, als zu wissen, wie sie funktionieren. Und die Funktionen der inneren Organe lassen sich über äußerliche Zeichen erkennen. Dieses Prinzip, innere Erkrankungen an äußeren Zeichen zu erkennen, haben die Chinesen im Laufe der Jahrhunderte immer weiter verfeinert. Wenn man in den Körper nicht weiter hineinschauen kann als bis in den Rachen, dann muss man eben äußerlich zugängliche Regionen finden, die den Zustand der inneren Organe widerspiegeln. So entstanden die verschiedenen Diagnoseverfahren wie Zungendiagnostik, Pulsdiagnostik, Bauchdiagnostik (in Japan als Hara-Diagnostik bekannt), Unterschenkeldiagnostik, Ohr- oder Fußreflexzonendiagnostik usw. 

Anhand solcher Diagnoseverfahren kann sich der Praktiker der Chinesischen Medizin ein Bild vom Zustand der Körperfunktionen verschaffen und eine TCM-Diagnose stellen, auf deren Grundlage er dann eine entsprechende Behandlung durchführen kann, um bestehende Ungleichgewichte wieder auszugleichen. Bei jedem Patienten führt man also eine so genannte Musterdifferenzierung durch, wobei man die verschiedenen sichtbaren Zeichen zu einander in Beziehung setzt und schließlich eine Diagnose stellt, also ein „Muster“ bzw. Syndrom benennt.

Unfruchtbarkeit kann grundsätzlich in Leere- und Fülle-Muster eingeteilt werden. Bei den Leere-Mustern gibt es Qi-Mangel, Blut-Mangel, Yin-Mangel Yang-Mangel, Nieren-Schwäche und Milz-Schwäche. Bei den Fülle-Mustern gibt es Leber-Qi-Stagnation, Feuchtigkeit-Hitze, Feuchtigkeit-Schleim und Blut-Stase. 

 

Bei der Kinderwunschbehandlung beruht die Differenzierung auf der Konstitution der Patientin, ihrem Alter bei der Menarche, der Regelmäßigkeit ihres Zyklus, der Menge, Farbe und Konsistenz des Menstruationsblutes. Auch Frieren oder Schwitzen, Körpergewicht, Appetit, Verdauung, Schlaf, Vitalität usw. stellen wichtige Punkte bei der Musterdifferenzierung dar.

 

Die in der klinischen Praxis am häufigsten zu sehenden Muster bzw. Syndrome sollen hier einmal kurz dargestellt werden:

 

1. Nieren-Schwäche

Spätes Eintreten der Menarche, mangelhafte Vitalität, allgemeines Gefühl von Kraftlosigkeit, vorzeitiges Ergrauen der Haare, häufige Zahnprobleme, Schmerzen in den Lenden oder im Unterleib können für Nieren-Schwäche sprechen. Die Menstruation tritt häufig verzögert, mitunter auch gar nicht mehr auf; das Menstruationsblut ist typischer Weise eher dünn, von geringer Menge und dunkler Farbe. 

 

2. Blut-Mangel

Treten Symptome wie verzögerte Menstruation mit geringer Menge, heller Farbe und dünner Konsistenz auf, ist die Haut trocken, die Fingernägel dünn und brüchig, ist der Stuhlgang eher trocken, treten Kopfschmerzen am Ende der Menstruation oder danach auf, wird man dies als Blut-Mangel diagnostizieren. 

 

3. Milz-Schwäche mit Feuchtigkeit-Schleim

Bei reichlich vaginalem Ausfluss, Übergewicht, Schweregefühl, Müdigkeit, Trägheit und fahlem Teint, wird man dies als Feuchtigkeit-Schleim aufgrund von Milz-Schwäche bewerten. Die Zunge weist hier eine dicken, weißen Belag auf und der Puls fühlt sich „schlüpfrig“ an. Das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) sieht man besonders häufig bei Patientinnen dieser Gruppe, wenn auch nicht ausschließlich.

 

4. Blut-Stase

Bei diesem Muster ist die Menstruation meist besonders schmerzhaft, mitunter tritt sie auch verspätet ein. Bei manchen Frauen strahlen die Schmerzen in die Lenden und ins Kreuzbein aus. Das Menstruationsblut ist meist sehr dunkel und enthält reichlich Blutgerinnsel oder sogar größere Blutklumpen. Manche dieser Frauen haben auch starke Kopfschmerzen oder Migräne vor und während der Menstruation. Bei der Bauchdiagnostik erweist sich der Unterleib als sehr druckempfindlich. Die Unterleibsschmerzen lassen erst in der Mitte oder am Ende der Menstruation nach, wenn die Blutgerinnsel abgegangen sind. Ein derartiges Erscheinungsbild bezeichnen wir als Blut-Stase. Frauen mit Endometriose oder Adenomyose fallen zumeist in diese Gruppe.

 

5. Leber-Qi-Stagnation

Typisch für dieses Muster sind vor allem ein ausgeprägtes prämenstruelles Syndrom (PMS) mit Gereiztheit, Stimmungsschwankungen, Depressivität, Brustspannungen, Brustschmerzen, Berührungsempfindlichkeit der Brüste oder auch die Bildung von gutartigen Brustknoten und starkes Ziehen im Unterleib vor der Menstruation. Mitunter kann die Menstruation auch verzögert oder unregelmäßig eintreten. Nicht wenige dieser Frauen leiden auch unter Kopfschmerzen oder Migräne vor der Menstruation. Bei manchen Frauen verändert sich der Stuhlgang vor der Menstruation – sie bekommen dann entweder Durchfall oder Verstopfung.

Wenn die Menstruation dann schließlich eintritt, ist sie an den ersten ein bis zwei Tagen meist schmerzhaft. Nach der Menstruation geht es den Frauen dann wieder besser. 

Die Reizbarkeit der Frauen vor der Menstruation, die mitunter auch in Wutausbrüche und aggressives Verhalten ausufern kann, belastet nicht selten auch die Ehe oder Beziehung. Allein aus diesem Grund empfiehlt sich schon eine entsprechende Behandlung, wobei sich die Frauen dann wesentlich entspannter und ausgeglichener fühlen.

 

6. Feuchtigkeit-Hitze 

Sieht man Symptome wie Schmerzen im Unterleib, reichlich zähflüssiger Ausfluss (Fluor vaginalis) von gelber Farbe und einem starken Geruch, dann ist dies ein Fall von Feuchtigkeit-Hitze. Hier weist die Zunge einen dicken, gelblichen Belag auf.

 

7. Nieren-Yang-Mangel  

Bei Nieren-Schwäche unterscheidet man zwischen Nieren-Yang-Mangel und Nieren-Yin-Mangel.

Charakteristische Symptome des Nieren-Yang-Mangels sind: Kältegefühl im Unterleib (die Frauen legen sich gern eine Wärmflasche auf den Bauch, wenn sie Unterleibsschmerzen haben), eventuell verzögert eintretende Menstruation von geringer Menge und eher blasser Farbe, eventuell sogar Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhoe). Die Haut weist einen eher dunklen und blassen Farbton auf; die Frauen haben immer kalte Hände und Füße, häufig Schmerzen in den Lenden, scheiden im Allgemeinen reichlich klaren, hellgelben oder farblosen Urin aus, neigen zu häufigem Wasserlassen in der Nacht und zu Blasenentzündungen bei Unterkühlung. Bei manchen Frauen ist auch die Libido vermindert. Die Zunge ist blass und der Puls tief und langsam.

 

8. Nieren-Yin-Mangel 

Beim Nieren-Yin-Mangel findet man zum Teil ähnliche Symptome wie oben bei Nieren-Yang-Mangel beschrieben, also allgemeine Zeichen für eine „Nieren-Schwäche“ im Sinne der TCM. Doch während Yang-Mangel-Patienten immer frieren, weisen Yin-Mangel-Patienten auch Zeichen von „Leere-Hitze“ auf, d.h. sie haben in ausgeprägten Fällen Nachtschweiß oder in leichteren Fällen nur ein Hitzegefühl in den Handflächen und Fußsohlen in der Nacht, nächtliche Mundtrockenheit, trockene Augen, eventuell Herzklopfen, unruhigen Schlaf und innere Unruhe. Der Puls bei diesen Patientinnen ist dünn und eher schnell; die Zunge ist rot und weist einen spärlichen, sich teilweise ablösenden Belag auf.

 

Dies sind einige in der Praxis häufig anzutreffende Muster bzw. Syndrome, wobei anzumerken ist, dass „Niere“, „Milz“ etc. in der chinesischen Medizintheorie eine andere Bedeutung besitzen als in der Schulmedizin. Das darf man nicht miteinander vermischen oder verwechseln.

Die beschriebenen energetischen oder funktionellen Ungleichgewichte lassen sich innerhalb von einigen Monaten im Allgemeinen sehr gut mit chinesischen Kräutermischungen in Form von Tees regulieren. Wenn in Folge der Behandlung die oben genannten Symptome wie schmerzhafte Menstruation, Brustspannungen vor der Menstruation oder andere Beschwerden gelindert sind, der Zyklus regelmäßig ist, also etwas 28 Tage dauert, die Frau einen Eisprung hat und die Gebärmutterschleimhaut gut aufgebaut ist, wird eine natürliche Schwangerschaft nicht lang auf sich warten lassen.